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Klavier lernen mit 70
Ilka aus der Mark
Quelle: Wissen- Quarks & Co
Kreuzworträtsel, Sudoku oder Musizieren: Was hilft am besten gegen den geistigen Abbau?
Neuropsychologen an der Universität Zürich versuchen, das Gehirn alter Menschen auf andere Weise in Schwung zu halten. Sie bringen 70-Jährigen Klavierspielen bei, obwohl die vorher noch nie etwas mit Musik zu tun hatten. Ein Instrument im hohen Alter neu zu lernen, glauben die Züricher Forscher, ist ein effektives Gehirntraining.
Beim Musizieren sind sehr viele verschiedene Hirnareale aktiv: die motorischen Areale, die Hörareale, die Gedächtnisstrukturen und jene Hirnstrukturen, die vorausplanen. Diese rege Hirnaktivität wirkt dem natürlichen Verfallsprozess entgegen, sagen die Forscher. Ihr Motto: "Use it or loose it!" (Benutze es, oder du verlierst es). Studien belegen, dass musizierende Probanden deutlich besser gegen Altersdemenz geschützt sind als Probanden, die Lesen oder Kreuzworträtsel zum Hobby haben. Die Züricher Forscher üben regelmäßig mit ihren Probanden Klavier und messen dabei deren Hirnaktivität. Bereits nach einer Woche Üben beobachten die Forscher Veränderungen im Gehirn: Die Gebiete, die für die Bewegung der Hände zuständig sind, arbeiten effizienter. Die motorischen Areale haben sich umstrukturiert. Die Gehirne älterer Menschen reagieren damit genauso, wie man es bei jungen Gehirnen erwartet. Für die Forscher ist das ein Hinweis darauf, dass auch ein altes Gehirn offen für Neues ist.
Der Geheimtipp: Neues lernen
Es muss aber nicht unbedingt Klavier spielen sein. Wer im Alter eine neue Sprache lernt, tut ebenfalls viel gegen den geistigen Abbau. Es kommt vor allem darauf an, dass wir unser Gehirn mit neuen, unbekannten Informationen konfrontieren. Denn dadurch wird unser Präfrontalkortex auf Hochtouren gebracht. Der ist besonders vom altersbedingten Verfall des Gehirns betroffen. Indem wir ihn fordern, wirken wir seinem Abbau entgegen. Neue, unbekannte Informationen stimulieren also genau jene Hirnregion, die im Alter am stärksten vom Abbau bedroht ist. Und auch wenn es unbequem ist: Anstrengung lohnt sich. Je anspruchsvoller die Aufgabe, desto stärker ist der Frontalkortex beteiligt.
Das Erfolgsrezept der Musik
Dennoch hat das Musizieren anderen Tätigkeiten etwas voraus. Der besondere Effekt hierbei ist, dass man das Gespielte auch hört. So hat der Spielende eine direkte Rückmeldung über den Erfolg. Das fördert die Motivation – und die ist Voraussetzung dafür, sich auch im hohen Alter auf komplizierte Sachverhalte einzulassen. Musik löst außerdem Emotionen aus – und auch die fördern die Motivation. Musik hat eine so starke Wirkung auf unser Gehirn, dass selbst das Hören von Musik einen Trainingseffekt haben kann. Allerdings kommt es dabei auf die Art des Hörens an. Je mehr Hirnareale dabei aktiv sind, umso größer ist der Trainingseffekt fürs Gehirn. Wer ein Musikstück wissenschaftlich analysiert, bringt seine grauen Zellen richtig auf Hochtouren. Aber selbst beim völlig unwissenschaftlichen, sentimentalen Zuhören passiert etwas im Gehirn: Sentimentales Zuhören ist verbunden mit Erinnerungen und Assoziationen und aktiviert die entsprechenden Hirnareale. Wer alte Schallplatten vom Speicher holt und beim Hören in der Vergangenheit schwelgt, tut also auch etwas gegen den altersbedingten Abbau im Gehirn. Diese Methode ist allerdings längst nicht so effektiv wie die, etwas Neues zu lernen.
Gefunden bei Quarks & Co
Präfrontalkortex
Der präfrontale Kortex ist ein Teil des Stirnlappens der Großhirnrinde. Er ist zuständig für Planung und Effizienz, für Aufmerksamkeit und Konzentration. Er sorgt zum Beispiel dafür, dass sich beim Aufnehmen neuer Informationen alle beteiligten Sinne (Augen, Gehör, usw.) auf das Wesentliche konzentrieren und sich nicht durch Störreize ablenken lassen.

